Am Tag 7 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Christiane Kassama vor:

Sei Stolz auf Dich und vor allem, glaube an Dich!

Interview mit Christiane Kassama

  • Können Sie sich in wenigen Worten vorstellen?

Mein Name ist Christiane Kassama, ich lebe in Hamburg und wurde in Baden – Baden geboren. Aktuell leite ich im Hamburger Westen eine Kita mit über 90 Kindern. Außerdem habe ich zusammen mit meinem Team eine Rassismus-kritische Kita entwickelt. Des Weiteren gebe ich Seminare zur Rassismus – kritischen Bildungsarbeit, mit dem Schwerpunkt frühkindliche Bildung für Kinder im Alter von 1- 6 Jahren. Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Arbeitsspektrum ist der Rassismus in Kinderbüchern. Dazu bin ich immer mal wieder zu Diskussionsrunden in Bücherhallen und auf anderen Events gebucht. Außerdem habe ich zwei erwachsene Söhne, die auch in Hamburg leben.

  • Warum haben Sie sich damals für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Von Haus aus bin ich Erzieherin, ich hatte schon immer eine große Liebe für Kinder und junge Erwachsene. Ich bin von Grund auf eine Pädagogin, es ist für eine große Freude in Bereich Kinderbildung tätig zu sein. Außerdem sind Kinder die Zukunft der Gesellschaft, die wir als Pädagogen und Pädagoginnen mitprägen können.

  • Hatten Sie Mentoren?

Ja, hatte ich. Ich war lange aktiv in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) für den Raum Hamburg. In Hamburg gab es meiner Meinung nach schon eine sehr gute politische Grundlage in der Black Community. Diese bot Möglichkeiten sich als Schwarze Person weiter zu entwickeln durch Seminare und Veranstaltungen an.

  • Was waren denn Ihre Herausforderungen auf Ihrem Weg angefangen als Erzieherin bis hin zur Kita Leitung?

Ich bin in einem weißen Umfeld aufgewachsen und mit dieser Prägung in den Beruf der Erzieherin eingestiegen. Eine große Veränderung kam dann 1989 auf mich zu als mein erster Sohn geboren wurde. Als Schwarze Mutter bekam ich eine andere Perspektive. Vor allem, wenn es darum geht, positive Identifikationsmaterialien für das eigene Kind zu finden. „Suche mal in Deutschland, selbst in einer Großstadt wie Hamburg danach“. Wir haben damals nichts gefunden. So haben wir immer im Ausland in der USA und England nachschauen müssen. Damals gab es z.B nur weiße Duplo – Figuren. Ich bin künstlerisch nicht so begabt, hatte aber zum Glück eine Freundin, die die Figuren für unsere Kinder schwarz angemalt hat.“

Damals gab es eine Gruppe von Eltern mit Schwarzen Kindern, die sich regelmäßig getroffen haben. In diesem Rahmen ist ein Kindergarten entstanden in die Kinder, die von Rassismus betroffen sind eine schöne Kindergartenzeit erleben sollten. Ich habe die Kita mit weißen und schwarzen Eltern zusammen aufgebaut und dort auch einige Jahre gearbeitet.  Wir waren damals nicht wirklich reif genug für dieses Konzept, denn der Druck von außen stieg stetig. Dieser Druck hat das Konzept der Kita zunichte gemacht. Die Kita ist dann, mit einem anderen Konzept weitergewachsen und ich habe sie aus unterschiedlichen Gründen verlassen.

Zurück in der „normale“ Kita Welt habe ich meine Einstellung zur Rassismus-sensiblen Arbeit in Kitas mitgenommen. Das bedeutet das hat meine pädagogische Arbeit im weiteren Verlauf massiv geprägt.

Als ich vor ca. 12 Jahren in die Leitungsposition bei einem freien Träger kam, habe ich dort heftige Rassismus Erfahrung gemacht. Diese kamen von Seiten der Eltern, des Teams und des Trägers.  Ich war darauf nicht vorbereitet, da ich damals dachte ich bin in der Welt der Pädagogik angekommen. Das System war nicht vorbereitet eine schwarze Frau in einer Leitungsposition zu sehen. Ich aber auch nicht. So habe ich beschlossen dort aufzuhören und hatte vor eine eigene Kita aufzubauen. Aus finanziellen Gründen habe ich mich dagegen entschieden.

Bei einem neuen Träger, bei dem ich bis heute noch arbeite, machte ich mir Gedanken wohin meine Kita sich pädagogisch hin entwickeln sollte und was für mich als schwarze Leitung wichtig ist. Mir war wichtig, dass mein nicht diverses Team ein Antirassismus Training (Phoenix) macht. Das habe ich nach einem Jahr meiner Tätigkeit auch umgesetzt. Das war im nach hinein der der richtige Weg, denn das hat eine Basis geschaffen und ein Statement gesetzt. Diese benötigt man als Schwarze Leitung in einem komplett weißen Team. In einer sehr weiß strukturierten Umgebung und natürlich in einem System was bis heute mit strukturellem Rassismus besetzt ist.

Durch regelmäßige Teamarbeit an Rassismus-kritischer Denkweise bin ich stolz darauf zu sagen: da steht 2021 eine Rassismus-kritische Kita in diesem Stadtteil und ich bin dort die Leitung. Mit einem Team was sich immer weiterentwickelt. Die Elternschaft ist diverser geworden aber wir entwickeln uns gemeinsam immer weiter. Das ist ein schönes Erleben und ein klares Statement für eine nachhaltige Veränderung der Gesellschaft.

Seit 2018 gebe ich Parallel dazu Seminare mit dem Schwerpunkt Rassismus-kritische Bildungsarbeit in der frühkindlichen Bildung zwischen 1 und 6 Jahren. Dafür werde ich von Kita und Träger für Workshops und Dienstbesprechungen gebucht. In Bezug auf den Schwerpunkt Rassismus in Kinderbüchern werde ich für Diskussionsrunden oder Interviews gebucht und nehme an pädagogischen Fachtagungen mit Workshops teil.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

Seid stolz auf euch und seid stolz das ihr es bis dahin geschafft habt. Unser System macht es Schwarzen Kindern und Jugendlichen in der Schule sehr schwer ihre Selbstverwicklungsziele zu erreichen egal welchen Beruflichen Weg sie eingehen wollen.

Schaut jeden Morgen in den Spiegel und klopft euch dabei auf die Schulter aber vor allem glaubt an euch. Wenn junge Frauen von Rassismus in der Schule, im Berufsleben oder an Universitäten betroffen sind, ist es wichtig Halt in den eigenen Familien, bei Freunden und/oder in den Community’s zu finden. Es ist wichtig, an Empowerment Trainings teilzunehmen, um die Strukturen in den Institutionen zu begreifen. Das bewirkt, Rassismus nicht persönlich zu nehmen und zu wissen, dass es ein Konstrukt auf der ganzen Welt ist, welches auf Denk- und Machtstrukturen basiert.

Es ist gut in hohe Positionen zu kommen, damit man die Chance hat Veränderungen zu schaffen. So kann der strukturelle Rassismus in dem System, in dem man arbeitet, angegangen werden z.B. durch festgelegte Empowerment-/ Antirassismus-Trainings in der Arbeitswelt.

Am Tag 6 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Theresa Franz vor:

Nichts in der Welt ist unmöglich, liebe Dich selbst!

Interview mit Theresa Franz

  • Stellen Sie sich gerne in ein paar Worten vor.

Mein Name ist Theresa Franz, ich komme aus Nigeria. Ich bin Entrepreneur und besitze als Dolmetscherin ein Übersetzungsbüro für afrikanische Sprachen. Zudem habe ich eine eigene Marke für Haarpflegeprodukte mit dem Namen „Curlappiness“.

  • Warum haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Das war ein Zufall. In Nigeria habe ich Anglistik studiert und musste ein Nebenfach dazu wählen. So habe ich mich für Germanistik entschieden. Im Zuge dieses Studiums stand eine Reise nach Deutschland an. Während meines Aufenthalts in Deutschland wurde ich angesprochen, ob ich in der Lage wäre Texte auf nigerianisch ins Deutsche zu übersetzen. Da es zu dieser Zeit wohl niemand anderen in Deutschland gab der das konnte, habe ich das gemacht. Ich dachte mir damals, warum macht das keiner. Ich habe mich direkt nach dem Studium damit selbstständig gemacht. Ich war hochmotiviert und hatte sehr viel Unterstützung von der Handelskammer. Durch die vielen Städte damals im Ruhrgebiet hatte ich sehr viele Kunden. Von der Polizeibehörde bis hin zu Migrationsämtern – das war 1997.

  • Hatten Sie außerhalb der Unterstützung der Handelskammer eigentlich Mentoren?

Ich hatte für mich selbst einen Businessplan erstellt und bekam so dann eine Unternehmensberaterin zur Seite gestellt. Einen Mentor oder eine Mentorin im klassischen Sinne in Form eines Mentoring -Programms hatte ich nicht.

  • Was waren die größten Herausforderungen für Sie auch als Schwarze Frau?

Ich hatte von Beginn an das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Denn das ist schon eine Männerwelt. Desto erfolgreicher ich wurde, desto schwieriger wurde mein Weg. Ich bin mir nicht sicher, ob man das Wort bedrohen sagen kann. Mir wurde aber gesagt, dass man mich nicht dabei unterstützt noch reicher zu werden. Außerdem sind die Leute immer sehr überrascht, wenn sie meinen Namen Theresa Franz lesen und mich dann persönlich kennen lernen.

Ich bin 52 Jahre alt und das kennt man ja, wenn man Schwarz ist sieht man das Alter eigentlich nicht so wirklich. (lacht)

  • Was sind Ihre Ziele?

In Zukunft möchte ich Schwarze Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte unterstützen. Ich habe festgestellt das viele Straftaten und Strafvergehen, welche diese Menschen betrifft, sehr oft durch Missverständnisse entstehen. Dabei ist vielen unsere Gesetzeslage hier in Deutschland nicht bewusst. Für viele ist es ebenfalls eine Hürde zu wissen an welchen Anwalt oder an welche Anwältin sie sich z. B bei einer Scheidung wenden müssen. Daher habe ich Anfang des Jahres eine Audio Software App entwickelt, die solche Schritte erleichtern soll. Außerdem werden über die App kulturelle Unterschiede beleuchtet, um Missverständnisse oder Probleme zu vermeiden.

Ein weiteres Ziel ist es, ein Haarpflegeprodukte für Kinder heraus zu bringen.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

Aller Anfang ist schwer und das unabhängig von der Hautfarbe. Als Entrepreneurin in Deutschland sind die ersten drei Jahre immer von bürokratischen Hürden bestimmt.

Ebenso ist es wichtig Wissen über Steuern oder Rechnungen zu erlangen.

Und zuletzt: „Egal wie schlimm es sein mag es wird immer gut werden – macht euch selbstständig, denn jeder der das kann sollte das auch tun.“

Am Tag 5 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Stephanie Salami vor:

Glaube an Dich und finde dadurch Deinen Weg!

 

Interview mit Stephanie Salami

  • Stellen Sie sich vor

Ich heiße Stephanie Salami und bin 35 Jahre alt. Mein Vater ist Nigerianer und meine Mutter ist Deutsche. Aktuell arbeite als Marketing Managerin bei einem Handelsunternehmen in Hamburg.

  • Was machen Sie beruflich?

Wie gesagt, arbeite ich im Marketing. Ich bin insbesondere verantwortlich für den Online-Bereich, u.a. für den Aufbau und die Betreuung unserer Online-Kommunikation zum Beispiel auf Social Media, unseren Websites wie auch für diverse digitale Projekte, zum Beispiel unsere Loyalty App.

  • Warum haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Während der Schulzeit hatte ich, wie wahrscheinlich viele Jugendliche, zunächst viele verschiedene Wünsche in Hinblick auf meine berufliche Zukunft und mir war auch nicht klar, dass ich einmal als Marketing Managerin arbeiten würde.

Nach meiner Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel, habe ich zunächst im Einkauf gearbeitet. Anschließend bin ich zu meiner jetzigen Firma ins Category Management gewechselt, wo ich mitverantwortlich für den Food-Bereich war.

Nach vier Jahren wurde ich befördert und wechselte ins Brand-Management. Ich war unter anderem zuständig für unsere Eigenmarken, die ich in Zusammenarbeit mit Agenturen weiterentwickelt habe. Außerdem habe ich dort an der Kreation neuer Marken mitgewirkt.

Da sich zunehmend Aufgaben im Brand-Management und Marketing überschnitten und mein Interesse und meine Freude für diesen Bereich geweckt war, bot sich ein Wechsel ins Marketing an. Seit 2017 arbeite ich nun als Marketing Managerin und habe zwischenzeitlich meinen Fachwirt im Marketing erfolgreich absolviert.

  • Wie kam es zu Ihrer Beförderung?

Ich denke, dass es daran lag, dass ich meine Arbeit immer gut, gewissenhaft und verlässlich erledigt habe. Die Position wurde aufgrund einer Schwangerschaft frei, weshalb die Stelle neu ausgeschrieben wurde. Als man mich dann fragte, ob ich die Position gerne hätte, habe ich das Angebot mit Freude angenommen.

  • Was waren Ihre größten Herausforderungen als schwarze Frau im Hinblick auf Ihren beruflichen Werdegang?

Ich muss ehrlich sagen, ich habe als schwarze Frau keine Nachteile erlebt und bin Gott dafür wirklich sehr dankbar. Vielleicht hatte ich einfach Glück im Leben und mir sind solche Erlebnisse bisher in meinem beruflichen Werdegang erspart geblieben.

Wenn ich solche negativen Erfahrungen von anderen mitbekomme, tut es mir schrecklich leid. Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir dieses Problem nach so langer Zeit immer noch in unserer Gesellschaft haben.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen schwarzen Mädchen geben?

Ich habe, um ehrlich zu sein, nur einen Tipp: Glaube an dich und finde dadurch deinen Weg. Als ich neu ins Marketing gewechselt bin, habe ich mich zu Beginn etwas „klein“ gefühlt. Dadurch habe ich mir anfangs nicht alles zugetraut und dachte mir oft, dass die anderen es besser wissen oder können. Nach vier Jahren und einem Marketing Fachwirt weiß ich aber, dass dem nicht so ist und meine Selbstzweifel unbegründet waren.

Am Tag 4 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Tina Hausen-Hoffmann vor:

Trau Dich nach Hilfe und Unterstützung zu fragen!

Bild: Burgis Wehry

Interview mit Tina Hausen-Hoffmann

  • Können Sie sich in wenigen Worten vorstellen?

Mein Name ist Tina Hausen–Hoffmann. Ich bin kongolesisch, deutsch – kolumbianischer Abstammung und wurde in Kinshasa geboren. Dort bin ich bis zu meinem achten Lebensjahr aufgewachsen. In dieser Zeit habe ich von der Kraft starker schwarzer Frauen profitiert. „Diese haben mich wie eine Pflanze gut gedeihen lassen und mich mit sehr viel Stärke großgezogen“. Ich bin verheiratet und Mutter einer jungen Frau. Die Werte, die mir vorgelebt wurden, gebe ich an sie weiter. Mein beruflicher Werdegang begann mit meiner ersten Ausbildung zur Industriekauffrau. Zusätzlich habe ich mich zur IHK-Fremdsprachen-Korrespondentin Englisch zertifizieren lassen. Danach habe ich meine Bachelor Qualifikation im Bereich Wirtschaft nachgeholt. Aktuell bin ich in den letzten Zügen meines Master-Studiums in Logistik-Management & Consulting.

  • Warum haben Sie sich damals für diesen beruflichen Werdegang, angefangen als Industriekauffrau bis hin zur Fremdsprachen-Korrespondentin, entschieden?

Ich sehe mich selbst eher als eine kreative Person. Doch mein Vater war immer mein Vorbild, hat seit fast fünfzig Jahren ein eigenes Unternehmen, und ich bin quasi durch ihn in diese Sparte reingerutscht. So stand ich immer zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite diese natürliche Kreativität, die viele schwarze Frauen haben. Sei’s das man gerne malt, tanzt oder eine Entertainerin ist – ich glaube, das haben wir einfach im Blut. Der andere Aspekt ist die starke wirtschaftliche Seite, die mich durch meinen Vater geprägt hat. Ich habe mich damals nicht aus vollem Herzen für die Wirtschaft entschieden, aber heute profitiere ich davon, meine Kreativität mit Betriebswirtschaftlichen kombinieren zu können. Wenn man seinem Herzen folgt, kommen wundervolle Sachen zustande.

  • Was waren denn Ihre Herausforderungen in Bezug auf Ihren beruflichen Werdegang gerade als schwarze Frau?

Ich bin 1990 zusammen mit meiner Schwester nach Deutschland gekommen. Damals gab es nicht sehr viele schwarze Menschen in Bremen aber die wenigen die es gab, waren vernetzt und kannten sich. In meiner Schulzeit gab es fünf schwarze an der ganzen Schule, in meiner Ausbildungszeit war ich die einzige schwarze Person und zu Anfang meiner Zeit bei der Lufthansa Technik in Hamburg konnte ich sie an einer Hand abzählen. Damals fühlte ich mich schon öfters mal deplatziert.

  • Sie haben ein eigenes Unternehmen, wie heißt es und für was steht es?

Mein Unternehmen heißt Skills Lab UG. Unser Produkt „Skillab“ ist eine digitale Plattform im Bereich des B2B. Mit Hilfe von Skillab können sich Mitarbeiter*Innen eines Unternehmens auf Grundlage ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen vernetzen, beispielsweise für Projekte oder Expertengruppen. Neben der Belegschaft profitiert auch das Management eines Unternehmens, weil so eine neue Art von Mobilität geschaffen wird. Durch die Pandemie haben Unternehmen gemerkt, dass es nicht immer nötig oder möglich ist extern nach Experten zu gucken. Stattdessen können Unternehmen mit Skillab vorhandene Ressourcen aus dem internen Mitarbeiter*Innen Pool nutzen.

  • Sie waren ja vor einigen Jahren für längere Zeit in der USA. Haben Sie einen Unterschied zur Arbeitswelt hier in Deutschland bemerkt, gerade auch als schwarze Frau?

Ja, ich war sehr überrascht, wie gut mir die Zeit in den USA getan hat. Bevor ich dorthin ging, habe ich immer gesagt, das Land sei gar nichts für mich mit all den Themen wie soziale Ungerechtigkeiten und Rassismus. Als ich dann dort war, habe ich sehr schnell Akzeptanz erfahren und ich bin nicht mehr nur aufgrund meiner Hautfarbe aufgefallen. Wenn ich gefragt wurde, wo ich herkomme, war das nicht ablehnend gemeint, sondern interessiert. In den USA habe ich sehr viel gelernt in Bezug auf Karriere. Dort ergreifen viele „Woman of Color“ Berufe wie Ärztinnen, Lehrerinnen oder sind Managerinnen in großen Corporations. Meine eigene Ärztin in den USA war eine schwarze Frau. Diese vorbildlichen Umstände zu sehen, hat mich inspiriert und mir Hoffnung gegeben. Das wünsche ich mir auch für Deutschland. Mit #Dasschaffstduauch zeigen wir, es gibt uns schon. Jetzt ist es an der Zeit, dass mehr schwarze Frauen trauen sich zu zeigen, zu Vorbildern werden und hoffentlich somit starke Netzwerke in der Community entstehen.

  • Hatten Sie Mentor*Innen?

Ich habe spät gelernt, nach Hilfe zu fragen und hatte als junge Frau nur meinen Adoptivvater als Mentoren. Aus diesem Grund bin ich heute selber gerne Mentorin.

  • Sie haben vorhin auch von ihrer Tochter gesprochen. Welche 3 Tipps würden Sie jungen schwarzen Mädchen mitgeben?

Ich möchte gerne drei Tipps an junge Mädchen, aber auch an deren Mütter geben. Es geht dabei um Werte die man von zu Hause her mitbekommt. Die jungen Mädchen von heute sind schließlich die Mütter von morgen.

Es ist unglaublich wichtig, unseren Kindern eine gewisse Stärke von Haus aus mitzugeben. Wir sind nicht mehr die Generation, die zum Beispiel Probleme mit der Sprache hat. Heute wissen wir, dass es möglich ist in zwei Kulturen zu leben. Auf der einen Seite ist die Kultur der Eltern, die man beibehalten und weitergeben möchte und andererseits die Erfahrung der Integration. Viele junge schwarze Menschen waren noch nie im Land ihrer Vorfahren, fühlen sich eher als Deutsche, haben mit der Kultur und dem Land ihrer Großeltern kaum noch Berührungspunkte. Einige sind komplett „angekommen“, andere kämpfen noch mit Themen wie Rassismus und Akzeptanz. Aber wenn von zu Hause aus, der Samen der Akzeptanz und der Stärke schon gesetzt ist, können all die anderen Themen, die von außen kommen viel einfacher angegangen werden. Ich sage meiner Tochter regelmäßig, dass sie stark ist und alles machen kann, wenn sie gewillt ist, dafür zu arbeiten. Denn Faulheit kann auch ein Hindernis sein (lächelt).

Ein anderes großes Problem ist, dass wir oft nicht um Hilfe oder Rat fragen. Mit dem Wissen immer doppelt so hart arbeiten zu müssen, bleibt das oft auf der Strecke. Ich habe beim Aufbau meiner Firma viel um Hilfe bitten müssen und habe nur gute Erfahrungen gemacht. Oftmals bekomme ich auf Anfragen hin ein JA als Antwort. Daher ist mein zweiter Rat, dass sich junge Mädchen öfters trauen sollten um Unterstützung zu bitten. Fragen kostet nichts und viele Menschen wollen helfen.

Der dritte Rat ist eventuell der schwierigste. Auch wenn wir aufgrund unserer Hautfarbe anders gesehen und eventuell sogar anders behandelt werden, müssen wir versuchen fokussiert zu bleiben und uns nicht durch andere von unseren Zielen ablenken zu lassen. In dieser Situation vergleiche ich mich immer mit einem Betriebssystem. Wenn 25 % meiner Kapazität mit diesen negativen Gedanken beschäftigt ist, sind das 25 % die ich nicht für etwas positives nutze.

Am Tag 3 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Ngozi Odenigbo vor:

Nimm Dir was Du möchtest und lasse Dich nicht von anderen definieren!

Interview mit Ngozi Odenigbo

  • Stellen Sie sich gerne in ein paar Worten vor.

Ich heiße Ngozi Odenigbo und bin 42 Jahre alt. Ich bin Deutsch – Nigerianerin, lebe seit 2016 in Hamburg. Ich bin Ärztin und befinde mich im Moment in der Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin. Nebenbei habe ich zwei Vereine mitgegründet, zum einen Our journey Beyond, dieser Verein ist für Schwarze Frauen und Kinder in Hamburg. Der zweite Verein heißt Black in Medicine, das ist ein Verein für Schwarze Mediziner*innen im deutschsprachigen Raum. Seit einigen Woche bin ich auch Mitglied des Hamburger Integrationsbeirats.

  • Wieso haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Ärztin zu werden war mein allererster Berufswunsch, ich wollte schon als Kind Ärztin werden. Letztendlich habe ich viele verschiedene Sachen ausprobiert und bin erst viel später zum ursprünglichen Wunsch, Medizin zu studieren, zurückgekehrt. Ich bin sehr dankbar für diesen Beruf, da ich die Auseinandersetzung mit dem Menschen auf so vielseitige Art und Weise sehr spannend finde.

  • Was waren ihre größten Herausforderungen?

Die Menge, die gelernt werden muss, war eine sehr große Herausforderung. Bis zum Physikum war der Druck immens hoch, in der Zeit ist es wichtig nicht den roten Faden zu verlieren. Einige hörten auch vor dem Physikum auf, weil der Stress sehr groß war. Doch wenn man die erste große Prüfung hinter sich gebracht hat, ist das wie eine Feuertaufe.

  • Hatten Sie Mentoren?

Nee leider gar nicht. Ich krieg das jetzt mit durch „Black in Medicine“ das einige von den Schwarzen Student*innen Mentor*Innen haben, und wir wollen selbst ein Mentoringprogramm auf die Beine stellen. Aber ich selbst hatte keinen offiziellen Mentor oder Mentorin. Meine Mutter war allerdings immer für mich da, die selbst Ärztin ist. Mit ihr konnte ich mich immer austauschen.

  • Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Ich habe mich bewusst für die Allgemeinmedizin entschieden, da die Tätigkeit als Hausärztin in einer Praxis mit geregelten Arbeitszeiten und das Muttersein sich sehr gut miteinander vereinbaren lassen. Ich habe die Möglichkeit ohne Nachtdienste oder viele Überstunden zu arbeiten. Inhaltlich möchte ich mich in der Medizin mit marginalisierten Gruppen auseinandersetzen. Aus diesem Gedanken heraus ist unter anderem auch „Black in Medicine“ entstanden. Es ist wichtig, dass Schwarze Perspektiven in der Medizin aufgezeigt werden. Außerdem muss sich angeschaut werden ob und wie Schwarze Menschen in der Medizin in den unterschiedlichsten Kontexten vertreten sind, sei es in der Lehre an den Universitäten oder auch im Kontext Arbeitswelt, Patient*innenversorgung.

Was lernen Studierende über Schwarze Menschen? Wie lassen sich bestimmte Krankheiten auf schwarzer Haut erkennen? An diesen Beispielen wird klar, dass es gar keine Repräsentation gibt. Auch für die Arbeitswelt ist es wichtig, mit Empowerment Workshops Ärzt*Innen und Schwarze Personen aus anderen Gesundheitsberufen zu stärken. Wir bewegen uns oft in mehrheitlich weißen Räumen, die oft hierarchisch strukturiert sind. Hier können viel von Rassismus betroffene Menschen sich oft isoliert fühlen.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

Es ist wichtig sich auszutauschen, mit Menschen, die den gleichen Weg gehen. Ich selbst hatte eine gute Freundin, Darling Dafinone, Mitgründerin von „Black in Medicine“, mit der ich im Laufe des Studiums, aber auch nachdem ich anfing zu arbeiten, in ständigem Austausch darüber war, was wir so an der Universität erleben oder auch bei der Arbeit.

Des Weiteren ist mir Zielstrebigkeit und sich dabei trotzdem Pausen zu nehmen sehr wichtig. Es macht nicht glücklicher das Studium gestresst und in der Regelstudienzeit durch zu ziehen. Die Zeit rennt uns nicht weg. Es ist wichtig mit sich zufrieden und ausgeglichen zu bleiben.

Der letzte Tipp ist, sich nicht von anderen definieren zu lassen. Mir gegenüber reagieren einige Menschen überrascht, wenn ich ihnen sage, dass ich Ärztin bin. Es scheint nicht in ihre stereotypen Vorstellungen dessen zu passen, wie eine Ärztin auszusehen hat. Wenn ich beispielsweise früher sagte, ich arbeite im Krankenhaus, wurde oft angenommen, ich sei Krankenschwester.

An diesem Beispiel wird meiner Meinung nach sehr deutlich, dass wir Schwarze Menschen viel zu selten in Positionen innerhalb Academia, Politik, oder sonstige Positionen der Mitgestaltung auftauchen. Wir müssen in diese Räume rein.

Am Tag 2 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Ivon Wandtke-Ossei-Poku

Sei selbstbewusst und lass Dich niemals einschüchtern!

Interview mit Frau Ivon Wandtke-Ossei-Poku

  • Stellen Sie sich doch gerne in wenigen Worten vor.

Mein Name ist Ivon Wandtke-Ossei-Poku. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen und als Rechtsanwältin aktuell im Bereich Wirtschaftsrecht auch in Hamburg tätig. Studiert habe ich in Hamburg und Paris. Als ich jünger war, war ich ein richtiger Bücherwurm. Ich habe Tag und Nacht gelesen, weil ich mich viel gelangweilt habe. Mein Abi habe ich auf einem humanistischen Gymnasium gemacht, bei dem ein besonderer Schwerpunkt auf Musik gelegt werden konnte. Ich habe mich damals für Cello entschieden. Das steht hier auch noch brav in der Ecke und wartet darauf mal wieder gespielt zu werden (lacht). Meine Lieblingsfächer waren Philosophie, Deutsch, Latein und Psychologie.

  • Warum haben Sie sich gerade für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Als sich die Frage stellte, was ich nach dem Abi machen möchte, habe ich mich lange sehr schwergetan. Ich konnte mir gut vorstellen Kulturwissenschaften und Sprachen zu studieren. Ebenso fand ich Rechtswissenschaften ein spannendes Gebiet. Ein Onkel von mir war Richter und der hatte mal gesagt, dass das juristische Grundstudium eigentlich für jeden verpflichtend sein sollte, so dass jeder als mündiger und informierter Bürger über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt wäre. Das hat mich beeindruckt und überzeugt. Dazu kam, dass viele sehr bekannte deutsche Schriftsteller Juristen waren. Für mich hieß das zum einen, dass die juristische Ausbildung eine sehr gute sein musste und zum anderen, dass ich mich noch nicht auf – klassisch juristische – Berufe festlegen musste. Hat man aber das zweite Staatsexamen erfolgreich absolviert, hat man sich wirklich viel mit Recht beschäftigt. Die Examina sind sehr anspruchsvoll. Man muss viel lernen und investiert da deutlich mehr Zeit als in die Abschlüsse vieler anderer Studiengänge. Ich hatte am Ende eine Fachkompetenz erlangt, die ich in meinem beruflichen Alltag auch nutzen wollte. Deshalb bin ich nun doch in einem klassisch juristischen Beruf gelandet. Ich habe aber natürlich auch großen Spaß an der Juristerei!

Im Studium lag mein Schwerpunkt im Zivilprozess- und Insolvenzrecht. Während des Referendariats habe ich in verschiedene spannende Bereiche hereingeschnuppert. Ich war z.B. bei der Staatsanwaltschaft und konnte in der Rolle der Staatsanwältin vor Gericht auftreten. Ich habe am Landgericht in einer Spezialkammer für Urheberrecht gearbeitet oder war beim Oberlandesgericht beim Senat, der vor allem für Heilmittelwerbe-, und Wettbewerbsrecht zuständig ist. Nun arbeite ich im Bereich des Insolvenzrechts. Eine für mich interessante Seite der Ausbildung ist, dass diese einen befähigt, mit dem gelernten Handwerkszeug, erfolgreich in den verschiedenen Bereichen des deutschen Rechts zu arbeiten.

  • Hatten Sie Mentoren auf Ihrem Weg?

Nee, tatsächlich nicht. Ich habe mir aber auch nicht aktiv jemanden gesucht. Ich war schon immer sehr auf mich allein gestellt und habe dadurch eine sehr starke Persönlichkeit und Haltung entwickelt, mit der ich immer alles selbst gestemmt habe. Ich habe bestimmt potentielle Mentor*innen übersehen, die mir manches vielleicht leichter gemacht hätten. Aus heutiger Sicht würde ich aber allen raten, sich Mentor*innen zu suchen, die einen mit Rat und Tat unterstützen können.

  • Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Zum einen waren die Staatsexamina und die Vorbereitung auf diese sehr anspruchsvoll. Es gab aber auch persönliche Herausforderungen, die es mir schwer gemacht haben und mich deshalb geprägt haben. Auf einem der Flure der juristischen Fakultät kamen mir beispielsweise mal zwei Professoren entgegen. Als die mich sahen, meinte der eine zum anderen „Das müssen wir verhindern!“. „Das“ war in dem Fall die Schwarze Frau, die ihnen entgegenkam und ganz offensichtlich Juristin werden wollte. Zu dem Zeitpunkt gab es lediglich noch zwei weitere Schwarze Kommilitonen an der gesamten juristischen Fakultät. Ich fiel also auf. Meine Reaktion war damals, ok, jetzt erst recht! Wenn man mich dazu bringen möchte, von einem Ziel abzulassen, dann muss man es mir eher sehr einfach machen. So ein „Nee, du nicht„, das ich natürlich deutlich mehr als ein Mal in meinem Leben erfahren habe, führt bei mir meistens dazu, dass ich zeige, dass ich mir das nicht gefallen lasse, durchhalte und angreife. Ein anderes Beispiel ist, dass ich von einer Kommilitonin mal bei einer Rückgabe einer Hausarbeit mit großen Augen gefragt wurde, ob ich eigentlich öfter mal rassistische Erfahrungen mache. Meine Note hatte also nicht nur mich verwundert.

  • Was sind Ihre Ziele – persönlich, wie auch beruflich?

Mein nächstes Ziel ist die nebenberufliche Promotion. Thema wird ein Rechtsvergleich des deutschen und des ghanaischen Rechts sein. Ich liebe das wissenschaftliche Arbeiten, das im beruflichen Alltag in den Hintergrund tritt und freue mich darauf, mich mit dem für mich noch fremden ghanaischen Recht auseinanderzusetzen. Gerne würde ich auch ehrenamtlich eine niedrigschwellige Beratung mit dem Fokus auf Schwarze Menschen in Deutschland initiieren und weitere für diese Idee gewinnen.

  • Welche drei Tipps würdest du jungen Schwarzen Mädchen mit auf ihren Weg geben?

Sei selbstbewusst und lass dich niemals (!) einschüchtern! Wenn es hart auf hart kommt, muss man sein Recht notfalls auch vor Gericht durchsetzen. Es ist wichtig einzufordern, was einem zusteht. Leider werden wir so manches Mal zunächst nicht ernst genommen. Du wirst immer wieder mal in Situationen kommen, in denen es dir schwerer gemacht wird.

Fang früh mit dem Netzwerken an! Such dir Leute, mit denen du dich auf Augenhöhe austauschen kannst und für den gegenseitigen Support. Am besten auch branchenübergreifend. Das kann sehr bereichernd sein und den Rücken stärken.

Arbeite an deinen Zielen und lass dich weder ablenken noch abbringen! Natürlich müssen die Ziele umsetzbar sein und natürlich sollte man sich Meinungen anderer anhören und darüber nachdenken. Ich möchte aber allen MUT machen, sich nichts einreden zu lassen und die INNERE STÄRKE zu entwickeln, aus einem „Das schaffst du eh nicht, weil…“ ein #DASSCHAFFSTDUAUCH zu machen. Hat bei mir ja auch geklappt!

Am Tag 8 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Irene Appiah vor:

Bildung ist der Schlüssel für alles!

Interview  mit Irene Appiah

  • Stellen Sie sich gerne in wenigen Worten vor?

Ich heiße Irene Appiah, ich bin 45 Jahre alt und lebe in Hamburg. Ich habe einen 18-jährigen Sohn und arbeite seit 2010 für die Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg. Ich war damals in juristischer Ausbildung gewesen und habe für fünf Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Nebenher bin ich politisch aktiv und mache viel für die Black Community.

  • Weshalb haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden und später dann gewechselt?

Seitdem ich zehn Jahre alt war, wollte ich immer Rechtsanwältin werden. Natürlich will man als Kind vieles werden, ich wollte auch Sängerin und Tänzerin werden. Aber als ich zehn war gab es dann im Fernsehen die Serie L.A. Law. Ich fand das damals sehr spannend, da die Frauen in der Serie etwas zu sagen hatten und immer sehr schick angezogen waren und die Leute dann auch verbal in die Schranken gewiesen haben.

Doch das Leben spielt oft anders. Ich habe mit 36 die erste staatliche juristische Prüfung hinter mich gebracht und während meines Studiums fünf Jahre in einer Kanzlei gearbeitet. Diese wurde geführt von der ersten Schwarzen Rechtsanwältin in Hamburg, die sich sesshaft machte. Ich habe als Assistenz Fälle mit ihr zusammen gestaltet. Nach fünf Jahren habe ich aber bemerkt, dass Recht und Gerechtigkeit zwei Paar Schuhe sind.

 Zwischenzeitlich bin ich über die Senatskanzlei zur Schulbehörde gekommen. Denn zu dieser Zeit wurden Aktionspläne gestartet, um Menschen für die Verwaltung zu begeistern, sowie um Schüler*innen zum Reflektieren und Motivation anzuregen. Im Jahr 2010 habe ich dann die Planung der Motivationsworkshops übernommen. So war ich neben meinem Studium und meiner Tätigkeit in der Anwaltskanzlei auch in der Schulbehörde tätig. Dort stellte ich sehr schnell fest, dass es im Bereich Bildung Lücken für Schwarze Schüler*innen gibt. „Bildung ist der Schlüssel für alles.“ 

Mein Plan war es nie im Bereich der Bildung zu arbeiten, mein Weg hat sich im Laufe der Jahre so ergeben. Für Schüler*innen ist es wichtig, den höchstmöglichen Abschluss zu erzielen. Durch unser durchlässiges Bildungssystem, kann dadurch immer wieder ein höherer Abschluss erlangt werden.

  • Was sind Ihre größten Herausforderungen angefangen vom Studium bis hin zur Arbeit, die Sie bis heute gemacht haben?

Das Staatsexamen war meine größte Herausforderung und das Studieren mit Kind. Ich hatte keine Eltern, die mir das komplette Studium finanzieren konnten. Zu studieren und zeitgleich die Verantwortung für meinen Sohn zu tragen war nicht immer einfach. Während meiner eigenen Schulzeit habe ich nicht gelernt, wie man lernt. Trotzdem war ich eine gute Schülerin und Studentin. Vor meinem Staatsexamen konnte ich mich von Vorlesung zu Vorlesung schlagen. Mit dem Start des Examens merkte ich erst was das Jura Studium wirklich bedeutete. So habe ich das Staatsexamen erst nach dem dritten Anlauf geschafft. Sich dafür immer wieder zu motivieren ist nicht einfach, aber durchaus möglich.

2013 bis 2015 war für mich ebenfalls eine schwierige Zeit, da ich nach meinem Abschluss nicht direkt einen Job gefunden habe.

  • Was ist das Ziel des Aktionsplans der Stadt Hamburg mit den Motivationsworkshops?

Nachdem von politischer Seite, Deutschland offiziell als Einwanderungsland angesehen wurde, musste jedes Bundesland ein Integrationskonzept entwickeln. Im Zuge dieses Aktionsplans waren verschiedene Bereiche betroffen, unter anderem den großen Bereich „Bildung“. Dabei wurde festgestellt, dass viele Kinder mit Einwanderungsgeschichte bei gleichen Leistungen oft nicht den gleichen Abschluss erhalten und/oder sie werden durch das Bildungssystem vernachlässigt. Mehr als ein Drittel bleibt ohne Abschluss. Gründe dafür gibt es viele. Zum Beispiel eine fehlende Vertretung der Lehrkräfte oder von Beginn an das Gefühl zu haben, nichts in der Schule erreichen zu können. Mit diesem Hintergrund wurde entschieden, dass Vorbilder in die Schulen kommen müssen. Menschen mit Migrationsgeschichten, die ihren beruflichen Erfolg aufzeigen, um die Kinder zu motivieren.

Das Programm hat in erster Linie nicht das Ziel einen Beruf zu finden, sondern die Persönlichkeit der Schüler*innen zu stärken. Um sich mit dem Gedanken – „Ich kann ja doch etwas werden, die hat es geschafft, also kann ich es auch schaffen“ – zu beschäftigen.

  • Hatten Sie selber Mentoren auf ihrem Weg?

Nein, ich bin 1990 groß geworden. Da gab es keine Handys, kein Safer Space und keine Vernetzungsmöglicheiten. Man hat das mit sich selbst ausgemacht. Man hat den Film ‚Roots‘ geguckt und war frustriert. Man hat sich die Frage gestellt, weshalb behandeln uns die Menschen so schlecht und wieso ist das Schwarzsein überall auf der Welt ein Problem?

Im Jugendalter haben wir uns als Community langsam gefunden. Da gab es draußen auf der Straße einen Platz, wo wir uns alle immer getroffen haben. Dann kam die Hip-Hop Ära nach Deutschland. Über diese Subkultur haben wir unsere Persönlichkeit ausgelebt und uns selbst gefunden. Danach kam die Phase, da wollten wir lieber amerikanisch oder jamaikanisch sein – bloß nicht afrikanisch, das war viel zu uncool. Zum Schluss kam die Phase, in der du gelernt hast dich selbst so anzunehmen, wie und wer du tatsächlich bist.

Meine Vorbilder waren meine Eltern, als starke Persönlichkeiten, die mir ein Leben in Deutschland ermöglich haben. Davon abgesehen waren meine Vorbilder alle in den USA zu finden. Angefangen von Oprah Winfrey, die mich unglaublich inspiriert hat. Musikalisch hat mich Whitney Houston begeistert und im Schauspiel war es Angela Bassett.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

„Erkenne das Schwarzsein als Potenzial, denn Du strahlst Internationalität aus.“

„Sich selbst nicht so sehr unter Druck zu setzen, denn für jeden gibt es beruflich einen Platz. Mache etwas was Dir Spaß macht, denn deinen Beruf machst du eine ganze Weile.“

„Mut zur Lücke.“ – Nischen können sehr hilfreich sein. Ich hätte früher niemals gedacht, dass ich irgendwann einmal politisch aktiv sein würde. Doch durch das Erkennen der Lücken im System der Schulbehörde, bin ich dort aktiv geworden.

Am Tag 9 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Dr. Francine Uwera vor:

Glaube immer: Du gehörst an den Tisch. You belong here! Nimm Raum ein!

Interview mit Dr. Francine Uwera

  • Können Sie sich in ein paar Worte vorstellen?

Mein Name ist Francine, gebürtig in Ruanda. Ich lebe schon seit einigen Jahren in Deutschland und habe hier zunächst Übersetzungswissenschaften studiert. Im Anschluss habe ich ein juristisches Aufbaustudium im Bereich Europarecht absolviert. Ich bin außerdem promovierte Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Internationalisierung und Hochschuldidaktik. Ich habe bisher vorrangig an Universitäten im In- und Ausland gearbeitet. Aktuell bin ich an einer Hochschule als Referentin für Universitätsentwicklung tätig. Parallel dazu bin ich freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin sowie Trainerin für rassismuskritisches Denken. In diesem Rahmen führe ich nach einer Weiterbildung bei Tupoka Ogette Workshops durch – diese Tätigkeit erfüllt mich sehr. Ich bin Mutter einer fantastischen 14-Jährigen Tochter und verheiratet mit einem wundervollen Mann.

  • Warum haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Oft sind die Lebensläufe von PoC’s nicht linear, mich eingeschlossen. Ursprünglich wollte ich in Ruanda arbeiten aber wie das Leben so spielt kam es durch die schrecklichen Ereignisse in meinem Land anders. So bin ich nach meinem Studium dann doch in Deutschland geblieben und habe hier weiter mein Studium aufgebaut bzw. angepasst und berufliche Erfahrung gesammelt.

Ein roter Faden ist aber doch zu erkennen, denn Sprachen, Bildung, Rechtswissenschaften und Menschenrechte sind meine Leidenschaft.

  • Haben Sie Mentoren auf Ihrem Weg gehabt?

Nein, ich hatte keine klassischen Mentor:innen. Aber es gibt immer Vorbilder, die einen inspirieren oder auch den einen Menschen, der einem eine Chance gibt. Für mich war das mein erster Vorgesetzter in Deutschland, der mir eine unbefristete Stellung in einem internationalen Marketing & Sales Unternehmen gab und der stets sehr wertschätzend war. Das gab mir Courage. Ansonsten habe ich selbst an Coaching- und Empowerment Trainings teilgenommen, die sehr wichtig und heilsam waren.

  • Hatten Sie Hürden während Ihrer Studienzeit?

Im Laufe meines Studiums waren viele Opportunities beispielsweise schwierig bis unmöglich wahrzunehmen. Z. B. waren wir damals aufenthaltsrechtlich aus vielen Reise- und Weiterbildungsmöglichkeiten ausgeschlossen, die nur EU-Bürgern (z. B. Erasmus-Austauschprogramm) oder Bürgern aus westlichen Ländern offen standen. Auch die Finanzierung des Studiums war nicht immer einfach, vor allem seit dem Beginn des Krieges in Ruanda, da wir keinen Anspruch auf BAföG hatten oder andere Sozialleistungen hatten. Der Umgang mit Schwarzen Menschen war noch rauer und abfälliger, insbesondere bei den Behörden. Es gab auch schon mal offene oder subtile Rassismusvorfälle seitens der Lehrenden während der Vorlesungen oder auch von Vorgesetzten und Kolleg:innen auf der Arbeit. Auch und insbesondere an Hochschulen ist Rassismus schwierig zu bekämpfen, da das Selbstbild dort sehr von vermeintlicher Rationalität und von Wissen geprägt ist.

Was mir sonst auffiel: Einige Studierende wurden von Lehrenden enger unterstützt und ihnen wurden Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt oder geboten, z. B. den Weg in die Forschung, Lehre oder Verwaltung zu gehen. Dagegen ist es bis heute extrem schwierig als Person of Color, insbesondere, schwarze Person einen Platz in Academia als Professor:in oder Forscher:in an einer deutschen Hochschule zu bekommen. Wenn man den Platz hat muss man sich trotzdem als Frau und als schwarze Person positionieren und selbst definieren. Das kostet Zeit und Energie.

Das alles hat zu meinem Werdegang beigetragen, mich aber auch anpassungs- und widerstandsfähig gemacht.

  • Welche drei Tipps würden Sie jungen Schwarzen Frauen mitgeben?

Der erste Tipp ist: Lerne Dich selbst und die Funktionsweise von Unterdrückungssystemen im Allgemeinen, Rassismus insbesondere, kennen. Das kannst Du über Lektüre, Empowerment Trainings usw. tun. So kannst Du lernen, freundlich jedoch souverän Grenzen aufzuzeigen und für Dich zu sorgen.

Der nächste Tipp lautet: Egal was andere sagen, glaube immer: „Du gehörst an den Tisch. You belong here! Nimm Raum ein!“ Lass Dich nicht vom Tisch wegdrängen. Lass Dich nicht durch Deine sogenannten „Misserfolgen“ und den Zweifeln oder Widerstand anderer entmutigen.

Der Abschlusstipp lautet: Wenn Du fällst, richte Dich und Deine Krone wieder auf, pflege Deine Wunden und lauf weiter. Sei gut und nett zu Dir selbst!

Am Tag 10 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Patrick Ngono Abe vor:

Arbeite an Deinen Schwächen, nur so kannst Du Dich weiterentwickeln!

Interview mit Patrick Ngono Abe

  • Stellen Sie sich doch gerne vor

Ich bin Patrick, bin in Kamerun geboren und aufgewachsen. 2005 kam ich zum Studieren nach Deutschland und habe an der Technische Universität Berlin (TU Berlin) einen Masterabschluss in (Wirtschafts-) Mathematik absolviert. Danach habe ich berufsbegleitend Real Estate Management (M.Sc.) an der TU Berlin studiert und abgeschlossen. Ich bin seit sieben Jahren in der Immobilienbranche tätig. Meine Schwerpunkte sind Portfolio-, Fonds- und Beteiligungsmanagement. Nebenbei bin ich Gründerin und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Elikia e.V. und eine der Initiatorin der aktuelle Empowerment Kampagne #Dasschaffstduauch.

  • Warum haben Sie sich für diesen Studiengang entschieden?

Mir fiel schon auf dem Gymnasium Mathematik sehr leicht und ich habe angefangen meinen Klassenkameraden und Freunden bei deren Mathematikaufgaben zu helfen. Als ich eines Tages einer Freundin eine Aufgabe erklärte, stand ohne, dass ich es wusste, ihr Nachhilfelehrer vor der Tür. Als ich fertig war meinte er zu mir, dass ich eigentlich die Nachhilfe übernehmen könnte. Er sagte zu mir: „Du wirst mit Sicherheit eine gute Mathelehrerin.“

Der Satz blieb bei mir hängen und als ich mich in Berlin an der Universität einschrieb, war für mich klar, dass Mathematik mein Erstfach werden soll.

  • Ist das auch deine persönliche Meinung, dass man mit Mathematik alles machen kann?

Jein – Durch das analytische Denken, kann ein:e Mathematiker:in sich schneller in Themen einarbeiten, aber nicht alles beherrschen. Ich persönlich habe eine Kommunikationsschwäche, was mich hindert in meinem Berufsfeld weiterzuwachsen. Daran arbeite ich stetig.

  • Hatten Sie Mentoren?

Ich war auf mich allein gestellt. Ich habe kaum jemanden kennengelernt, der Mathematik studiert und abgeschlossen hat. Ich hatte keine klassischen Mentor:innen. Es gab aber Vorbilder, die mich inspiriert haben. Für mich war das meine große Schwester. Sie hat Geologie studiert und abgeschlossen und ich dachte, wenn sie das schafft, dann schaff ich das auch.

  • Was waren Ihre Herausforderungen?

Das schwierigste war eine Schwarze Frau zu sein. Ich musste das Vertrauen meiner Kommilitonen gewinnen, um überhaupt Teil einer Arbeitsgruppe zu sein. Es hat manchmal nicht funktioniert und ich musste allein lernen. Ich hatte aber viele Professoren und Tutoren, die mir geholfen und mich stark unterstützt haben.

  • Was hat Sie in dieser Zeit motiviert, weiter zu machen?

Ich war fest davon überzeugt, dass ich nichts anderes machen konnte, als Mathematik zu studieren; es war (ist) meine Leidenschaft. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht, was denn die Alternative wäre. Man ist weit weg von zu Hause und weiß, was alles geopfert wurde, um das Studium im Ausland zu ermöglichen. Ich habe niemals überlegt aufzuhören, das war keine Option.

  • Welche Tipps gibt’s du jungen Schwarzen Mädchen mit?

Glaube an Dich und Deine Träume: Wenn ich nicht an mich geglaubt hätte, wäre ich heute keine studierte Mathematikerin. Die ersten vier Semester sind immer schön, doch danach wird es zäh. Ich dachte oft, was habe ich mir da nur angetan – muss ich das noch machen. (lacht)

Hab keine Scheu Dir Hilfe zu holen: Die Professoren waren für mich da und waren eine sehr große Hilfe

Arbeite an deinen Schwächen – nur so kannst Du Dich weiterentwickeln.

Aber das Wichtigste:

Alles, was Du von anderen erwartest, mach auch selbst: Du hättest gerne eine Mentorin, sei eine Mentorin für andere, du möchtest gerne, dass dir geholfen wird, dann helfe auch anderen. Nur so schaffst du Veränderung.

Am Tag 1 unserer Kampagne in Hamburg, stellen wir Ihnen Georgina Fakunmoji vor:

Don’t believe the Hype, nur, weil er so laut und dominant ist.

Interview mit Frau Georgina Fakunmoju

  • Können Sie sich in wenigen Worten vorstellen?

Das ist gar nicht so einfach, denn sonst bin ich immer die Person die Fragen stellt, ich bin nämlich Journalistin. Ich bin Georgina, 42 Jahre alt und komme aus Berlin. Mein Vater ist aus Nigeria und meine Mutter weiße Deutsche. Außerdem arbeite ich beim Norddeutschen Rundfunk als Journalistin, bei DAS!, einer Live Talk-Sendung. Zusätzlich habe ich einen Literatur-Podcast, der Name: My POC Bookshelf. Im Podcast stelle ich Autor*Innen of Color aus Deutschland, Afrika und der afrikanischen Diaspora, vor.

  • Warum haben Sie sich damals für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Ich habe schon immer gerne gelesen. Ich war in der Schule tatsächlich die erste, die lesen konnte. Wenn wir als Klasse die Aufgabe hatten, Geschichten von zwei Seiten zu schreiben, habe ich meistens zehn geschrieben.
Als Kind wollte ich immer Schriftstellerin werden. Später wollte ich Print-Journalistin bei einer Zeitung werden, doch im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass es noch ganz andere Sparten im Bereich der Medien gibt. Zum Beispiel das Radio, die Online-Arbeit oder das Fernsehen, bei letzterem bin ich dann gelandet.

  • Was waren denn Ihre größten Herausforderungen auf dem Weg zur TV-Journalistin?

Es waren die Zugänge, ich komme aus einer Familie, in der es nicht selbstverständlich ist Journalistin zu werden. Ich bin die erste, die das Abitur gemacht hat in meiner Familie und ich bin immer bei all dem was ich machen wollte hartnäckig gewesen. Ich war gut in dem was ich mache und habe durch mein Grundselbstvertrauen die Dinge die ich tue niemals angezweifelt.
Viele bekommen beispielsweise keine Hochschulempfehlung, weil sie eine Migrationsgeschichte haben, das war bei mir zum Glück nicht der Fall.
Obwohl ich aus einer Hochhaussiedlung komme, bin ich in einer Villengegend in die Schule gegangen. Somit hatte ich eine sehr gute Schulbildung. Die Probleme kamen erst mit der Zeit an der Universität. Dort habe ich ganz schnell festgestellt, dass ich eine der einzigen People of Color war. In mir kamen Fragen auf wie: Wieso sind die anderen People of Color nicht mehr dabei? Weshalb bin ich nur von weißen Menschen umgeben. Von unserem Professor kamen dann auch immer mehr Zuschreibungen. Ich saß mit meiner deutsch-iranischen Freundin in der ersten Reihe des Hörsaals und wir wurden gefragt, ob wir Deutsch sprechen können. An der Universität wurden verschiedene Themen nicht angesprochen, bei denen ich wusste das es nicht nur die eine Wahrheit gibt. Was mich unglaublich sauer gemacht hat und mir sehr viel Energie gekostet hat, war das ständige droppen des N-Worts der Dozent*Innen und die permanente Reproduzierung von Rassismen. Und das im Unibetrieb, wo es ja eigentlich heißt hier ist Bildung am Start. Bei all dem trotzdem dran zu bleiben und nicht alles hin zu schmeißen, war die größte Herausforderung.
Eine weitere Herausforderung war das mir Kontakte fehlten und mir somit Zugänge verwehrt blieben. Es öffneten sich mir aber Türen mit Hilfe eines Programms, so wurden meine Talente gesehen und meine Arbeit wertgeschätzt.

  • Hatten Sie Mentoren?

Meine Mutter war ein großer Teil, in meinem Leben der immer an mich geglaubt hat und versucht hat alles für mich möglich zu machen.
Ein starker Familienzusammenhalt ist sehr wichtig aber auch der Austausch außerhalb der Familie mit Gleichgesinnten. Unter Menschen, die einen verstehen kann Zuspruch gefunden werden. Es ist so schwierig zu sagen vertraue in dich selbst, und du schaffst das alles. Weil es ist erdrückend ist, was da draußen unterwegs ist.
Was mir ebenfalls geholfen hat, ist nach Vorbildern und Hilfen in Büchern und Kinderbüchern zu suchen. Um zu erfahren, dass es viele starke Vorbilder gibt und um eine andere Realität über uns zu erfahren, nicht nur die, die es von weißer Seite über uns gibt.

  • Wer sind Ihre Vorbilder?

Ich habe so viele Menschen, die mich inspirieren, mit dem was sie machen. Es ist die Connection zwischen den Biografien von Menschen, die an ihre Grenzen gegangen sind oder Sachen geschafft haben, die für sie nicht vorgesehen waren. Ein Vorbild ist für mich auch eine Putzhilfe, wie meine Nachbarin die jeden Tag, dreißig Jahre lang an der Universität geputzt hat. Aus all den Geschichten kann ich eine gewisse Resilienz, eine Widerstandskraft für mich herausziehen, die mir ganz viel gibt.

  • Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

„Don’t believe the Hype, nur, weil er so laut und dominant ist.“ Damit meine ich glaube nicht alles was dir über uns erzählt wird.
„Bleibe bei der Sache, wenn du weißt was du machen möchtest. Mache es immer wieder, denn dadurch wird wird sich irgendwo eine Tür öffnen.“
„Stärke dich mit Menschen, denn man kann es nicht alleine schaffen, man wird dadurch krank. Wir sind alle in diesem weißen System, also suche dir deinen ride or die circle. Safe Space heißt nicht unbedingt immer, dass es ein „Schwarzer“ Space ist. Fühl da rein, such dir Leute, die dir positive Energie geben und keine negative.